Spieltheorie über Arbeitsdauer und Lukrativität

Das Arbeitswesen unserer momentanen Gesellschaftsform ist darauf ausgelegt, in einer möglichst engen Zeitspanne die höchstbeste Leistung zu erbringen. Aus dieser Vorlage entwickelt sich ein Denkfehler, denn die Menschlichkeit wird trotz ihrer Unumgänglichkeit bei der Kalkulation der Arbeitsleistung in den meisten Fällen vergessen. Zur Menschlichkeit gehört mitunter die Erschöpfung und das Recht auf Rast. Kann ein Mensch nicht rasten, um seine gegebene Kraft wieder herzustellen, so gehen auch seine Leistungen zurück. Diese Kosten sind, aus rein ökonomisch-lukrativer Perspektive, meines Erachtens durchaus höher als die Kosten der Gewährleistung einer mentalen und physischen Ruhe-, bzw. Entspannungsphase der Arbeitnehmer. Zudem variieren die Bedarfsverhältnisse zwischen Arbeits- und Ruhezeit je nach individuellem Menschen und müssten einzeln festgelegt werden.

Lukrativität von Arbeitenden (die Gleichungsergebnisse und die genutzten Zahlen sind zwar arbiträr, jedoch auf dem Anspruch der Logik gewählt und dienen ausschließlich dem Zweck der Veranschaulichung):

Figuration: Lukrativität auf Dauer

  • Methode No1 (intensiv); wenn: Arbeitszeit>Ruhezeit, dann: Zeitgewinn=hoch(100%) und Erschöpfung=hoch(60%)
  • Methode No2 (nachsichtig); wenn: Arbeitszeit<Ruhezeit, dann: Zeitgewinn=niedrig(40%) und Erschöpfung=niedrig(40%)
    • wenn: Zeitgewinn=hoch, dann: Lukrativität=hoch
    • wenn: Zeitgewinn=niedrig, dann: Lukrativität=niedrig

Zeitgewinn bedeutet in dem vorliegenden Kontext Lukrativität.
Erschöpfung ist eine Variable, deren Satzwert von 0% bis 100% beliebig angepasst und festgelegt werden kann.
Zeitgewinn hingegen kann nicht beliebig angepasst werden und ihr numerischer Satzwert richtet sich lediglich nach den folgenden Regeln und Vorkommnissen.

Einheit 1 ist die erste Zeiteinheit, also der Beginn der Arbeitsbeschäftigung. Eine Einheit folgt auf die vorherige Einheit: Einheit 2 folgt auf Einheit 1, Einheit 3 folgt auf Einheit 2, etc. Jede Einheit dieses Beispiels trägt dieselbe zeitliche Länge.

Am Ende einer Einheit:

  • wenn: Erschöpfung=hoch(>50% und <100%), dann: Erschöpfung=+10% und Zeitgewinn=-10% wenn: Erschöpfung=niedrig(<50% und >0%), dann: Erschöpfung=-10% und Zeitgewinn=+10%
  • wenn: Erschöpfung=100%, dann: Erschöpfung=-10% und Zeitgewinn=-20%
  • wenn: Erschöpfung=0%, dann: Zeitgewinn=-10%

nach Einheit 1: No1: Erschöpfung=70% und Zeitgewinn=90%
nach Einheit 1: No2: Erschöpfung=30% und Zeitgewinn=50%
nach Einheit 2: No1: Erschöpfung=80% und Zeitgewinn=80%
nach Einheit 2: No2: Erschöpfung=20% und Zeitgewinn=60%
nach Einheit 3: No1: Erschöpfung=90% und Zeitgewinn=70%
nach Einheit 3: No2: Erschöpfung=10% und Zeitgewinn=70%
nach Einheit 4: No1: Erschöpfung=100% und Zeitgewinn=60%
nach Einheit 4: No2: Erschöpfung=0% und Zeitgewinn=80%
nach Einheit 5: No1: Erschöpfung=90% und Zeitgewinn=40%
nach Einheit 5: No2: Erschöpfung=0% und Zeitgewinn=90%
nach Einheit 6: No1: Erschöpfung=100% und Zeitgewinn=30%
nach Einheit 6: No2: Erschöpfung=0% und Zeitgewinn=100%
nach Einheit 7: No1: Erschöpfung=90% und Zeitgewinn=10%
nach Einheit 7: No2: Erschöpfung=0% und Zeitgewinn=90%
nach Einheit 8: No1: Erschöpfung=100% und Zeitgewinn=0%
nach Einheit 8: No2: Erschöpfung=0% und Zeitgewinn=100%
nach Einheit 9: No1: Erschöpfung=90% und Zeitgewinn=0%
nach Einheit 9: No2: Erschöpfung=0% und Zeitgewinn=90%
nach Einheit 10: No1: Erschöpfung=100% und Zeitgewinn=0%
nach Einheit 10: No2: Erschöpfung=0% und Zeitgewinn=100%

  1. Es wird erkenntlich, dass Methode No1 während den ersten beiden Einheiten lukrativer ist als Methode No2, denn obwohl die Erschöpfung bei No1 hoch ist, ist der Zeitgewinn und somit die Lukrativität höher als bei No2.
  2. Es wird erkenntlich, dass Methode No2 ab dem Ende von Einheit 3 genau so lukrativ ist, wie Methode No1 und einen niedrigeren Erschöpfungssatz hält als Methode No1. Aufgrunddessen sollte ab dem Ende von Einheit 3 der Einsatz von Methode No2 bevorzugt werden.
  3. Am Ende von Einheit 4 erreicht Methode No1 einen maximalen Erschöpfungssatz. Dies bedeutet, dass die Lukrativität von Methode No1 in der folgenden Einheit noch stärker abfallen wird, da keine Energie mehr vorhanden ist, um überhaupt Lukrativität zu gewährleisten. Zudem wird eine geringe temporäre Auflockerung des Erschöpfungssatzes auftreten.
  4. Am Ende von Einheit 4 erreicht Methode No2 einen minimalen Erschöpfungssatz. Dies bedeutet, dass die Lukrativität von Methode No2 in der folgenden Einheit leicht abnimmt, da die Arbeit keinen Anspruch mehr auf inhaltliche Förderung beweist.
  5. Am Ende von Einheit 5 erreicht Methode No2 einen mehr als doppelt so hohen Lukrativitätswert wie jener der Methode No1.
  6. Am Ende von Einheit 6 erreicht Methode No2 einen maximalen Lukrativitätswert.
  7. Am Ende von Einheit 8 erreicht Methode No1 einen minimalen Lukrativitätswert.
  8. Ab dem Ende von Einheit 8 erreichen beide Methoden jeweils Plateaus; Der Erschöpfungssatz von Methode No1 springt zwischen 90% und dem maximalen Wert nach jeder folgenden Einheit hin und her und die Lukrativität steht auf dem Minimalwert fest. Der Erschöpfungssatz von Methode No2 steht der Erschöpfungssatz auf dem Minimalwert fest und der Lukrativitätssatz springt zwischen dem Maximalwert und 90% nach jeder folgenden Einheit hin und her.

Konklusion

Aus diesem gedanklichen Experiment geht hervor, dass auf kurze Dauer eine höhere Arbeitszeit und eine niedrigere Ruhezeit (Methode No1) ein empfehlenswerteres Resultat ergibt, da der Zeitgewinn und somit das Lukrativitätsniveau hierbei höher ist als bei einer geringen Arbeitszeit und einer hohen Ruhezeit (Methode No2). Ab einem gewissen Zeitpunkt jedoch schlägt der heranwachsende Erschöpfungsgrad um und verringert die Lukrativität. Wenn dies geschieht, sollte die Methode, bzw. der variable Erschöpfungssatz angepasst werden (Anders ausgedrückt: der Mensch sollte eine Pause einlegen). Aus dem Experiment geht hervor, dass Methode No2 durch ihre auf Dauer positiveren Resultate die allgemein vorteilhaftere der beiden Methoden ist. Es ist wichtig zu betonen, dass diese beiden Methoden lediglich Beispiele darstellen; der Erschöpfungssatz kann nämlich variabel angelegt werden (zwischen 0% und 100%) und zwischen aufeinanderfolgenden Einheiten extrem variiert werden. Dies bedeutet zudem, dass die Festlegung, bzw. die Umänderung des Erschöpfungsgrades stets als Reaktion auf den Status, bzw. auf eine Veränderung der Lukrativität stattfinden soll. Die Lukrativität ist keine Variable, sie passt sich stets selbst den Umständen an und dies geschieht in geringeren Schritten, als es bei dem Erschöpfungssatz der Fall sein kann. Hieraufhin wird die gegenseitige Beeinflussung der beiden Elemente ersichtlich; es liegt im Interesse des Menschen, dieses Gleichgewicht zwischen sich selbst und der Arbeit herzustellen und/oder aufrechtzuerhalten.

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