Beiderlei Automaten: der künstliche Mensch und der absolute Narr als gedankliche Konzepte

Während meinen Beschäftigungen mit der Beschaffenheit des Menschen in unserer Welt haben sich im Wesentlichen zwei Konzepte einen tieferen Gang in mein Inneres hinein verschaffen können; ersteres ist der künstliche Mensch und zweiteres der absolute Narr. Beide sind Variationen des Menschen, der allzeitlich mit seinem Umfeld und sich selbst interagiert. Jedoch stellen beide auf den ersten Blick auch völlig entgegengesetzte Pole dar, zwischen denen sich der eigentliche Mensch geistig bewegt. Der Reiz, den künstlichen Menschen und den absoluten Narren als Apparate, bzw. Automaten zu thematisieren, resultiert aus einer eigentümlichen Empfindung, die daran geknüpft ist, Elemente in beiden wahrzunehmen, die sie einschlägig vom normativen Menschen absondern und ihnen konsequenterweise eine unmenschliche Erscheinung verleihen. Ziel der vorliegenden Schrift ist es, diese theoretischen Auswüchse zu beleben und einen Blick in die Räderwerke des künstlichen Menschen und des absoluten Narren zu gewähren. Hiermit werden beide Konzepte erstmals aufgeschlossen und im späteren Verlauf der Schrift miteinander verglichen, um weiteres Nachdenken bezüglich der vorliegenden Thematik zu fördern und einen Pfad für mögliche Diskurse zu pflastern.

1. Apparate und Automaten

Unter einem Apparat kann man eine Vielzahl an Dingen jeglicher Herkunft verstehen. Die genaue Bedeutung des Terminus Apparat hängt hierbei von dem Bereich ab, in dem er verwendet wird. Allgemein ist ein Apparat ein Zusammengefüge aus Gegenständen oder Ideen, die ein gesamtes Konstrukt ergeben. Je höher die Anzahl an einzelnen Elementen, aus denen sich dieses Gefüge zusammensetzt, desto konkreter wird dessen Funktion. Zugleich steigt durch eine höhere Menge an Komponenten auch die Komplexität des Apparates und je nach Fall auch die Anzahl seiner Funktionen. Bei diesem sehr breiten Verständnis des Begriffes können jegliche Dinge der vom Menschen erlebten Welt als Apparate gelten: die Natur, der biologische Körper, die Gesellschaft, die Ökonomie, die Industrie, die Architektur, die Schrift, die Gedanken und die Kunst, um nur wenige Beispiele zu nennen.

Um das weitgreifende Thema des Apparates indes etwas zu konkretisieren und um es für einen Leser fassbarer zu machen, werde ich mich in dem vorliegenden Text auf eine untergliederte Form des Apparates konzentrieren: den Automaten.

Vorerst werde ich kurz erläutern, auf welchem Verständnis sich der Terminus Automat in diesem Text basieren wird – fernere Erklärungen gibt es außerhalb der vorliegenden Schrift nämlich in Hülle und Fülle, zumal sich der Automat als beliebtes Forschungsthema der sich mit den Künsten befassenden Geisteswissenschaften anbietet. Ein naheliegender Handgriff besteht darin, die etymologische Herkunft dieses Begriffes herbeizuführen: autómatos findet seinen Ursprung im Altgriechischen und stellt sich aus den beiden Wortbestandteilen autós (= selbst) und matos (= denken, wollen) zusammen. Ähnlich beschreibt auch das lateinische Adjektiv automatus ein Ding, das aus eigenem Antrieb handelt.

Diese Begriffserklärung erscheint dennoch etwas unzureichend; ein Automat kann zwar selbsttätig sein, jedoch nicht selbstständig agieren, denn er funktioniert lediglich im Rahmen der für ihn vorprogrammierten Aufgabenstellung. Der Begriff „Automat“ lässt sich also auf eine Entität oder einen Gegenstand applizieren, der für einen im Vorfeld präzise auserkorenen Nutzen wirkt und darüber hinaus über vermeintliche kognitive Fähigkeiten verfügt. Was hierbei unter kognitiv verstanden werden kann, steht einzig den Erschaffern und Nutzern des Automaten zur Auswahl: sei es die Ansicht, die Künstliche Intelligenz eines Automaten als Replikat menschlicher und somit kognitiver Denkvorgänge anzuerkennen oder sei es der Akt der Personifizierung des Automaten, bei dem letzterer mit menschlichen Charaktereigenschaften ausgestattet wird.

Bild – Spiel bei Kerzenschein - KI-generiert
Sven Bloes – Spiel bei Kerzenschein. KI-generiert.

2. Automatisch ein Automat? Wirkungen des künstlichen Menschen

Der künstliche Mensch gilt zugleich als Werkzeug wie auch als künstlerisch ausgeschmückter Sprössling des reellen Menschen. Er kann, meiner Auffassung nach, physischer sowie theoretischer Natur sein. Insofern wirkt es wie ein sinnloses und unmögliches Verfahren, den Nutzen des künstlichen Menschen auf eine exklusive bestimmte Zweckmäßigkeit und auf eine einzige plausible Erscheinungsweise festzulegen; der künstliche Mensch dient immerzu dem Ziel oder den Zielen, die der fleischliche Mensch für ihn vorgesehen hat, spiele dabei eine praktische, eine ästhetische oder eine emotionale Intention eine zentrale Rolle. Den Begriff des künstlichen Menschen unter ein definitorisches Skalpell zu legen, das nur eine einzige Wahrheit zuließe, würde einem Versuch gleichkommen, einen Automaten zu erbauen, dessen einziger Zweck sein bloßer Erbauungsvorgang wäre.

Dennoch bedarf es einer kurzen Einführung in die Wirkungen des künstlichen Menschen, die die Freiheit der Interpretation nicht unnötig einengt: Grundsätzlich versteht sich unter einem künstlichen Menschen eine Entität, die sich nicht aus organischen Stoffen, sondern aus unbelebtem Material zusammensetzt. Der künstliche Mensch ist gezwungen, anstatt einer Vielzahl an Gefühlen, Emotionen und einem freien Willen den Ansatzpunkten seines Erschaffers bedingungslos zu folgen. Die Attraktivität des künstlichen Menschen liegt in seiner inhärenten Willenlosigkeit; er stellt eine leere Leinwand dar, auf die der ursprüngliche Mensch seine Ideen, inneren Regungen, Phantasien und Wünsche gedanklich oder körperlich projizieren kann. Mithilfe der Phantasie haucht der Mensch dabei seinem künstlichen Replikat einen mutmaßlichen Charakter mit einem eigenen Willen und individuellen Eigenschaften ein.

Einen übersichtlicheren und umfangreicheren Einblick in den künstlichen Menschen bietet mein Beitrag auf mnemozine.lu, der ergänzend zum hiesigen Text gelesen werden kann: Der Künstliche Mensch. Ein Medium des Körpers, der Zeitlosigkeit, der Selbstreflektion und der Transzendenz.

3. Eine Retrospektive auf die Machenschaften des Narren

Das zweite Geschöpf, das in den vorliegenden Worten als Apparat und vielmehr als Automat verstanden werden soll, ist der Narr. Um die Sinnhaftigkeit für ihn als Forschungsobjekt zu rechtfertigen, müssen wir zuerst einen historischen und kulturellen Blick auf die unterschiedlichen Formen und Namen des Narren betätigen.

Hofnarren unterhielten im Mittelalter Fürsten und reiche Herren auf deren Anwesen. Dabei besaßen diese Narren eine sogenannte „Narrenfreiheit“, denn sie durften auf Missstände im Rahmen der Wirkungsmacht ihres Fürsten aufmerksam machen sowie den Adel kritisieren, ohne dabei mit Konsequenzen zu rechnen. Ähnliche kritische Eigenschaften tragen bis in die heutige Zeit hinein Karikaturen und satirische Inhalte jeglicher Varianten.

Als Volksnarr gilt unter anderem der deutsche Till Eulenspiegel, eine literarische Figur aus dem Jahre 1515, die als Protagonist ihrer Erzählung mithilfe ihres virtuosen Wortwitzes Kritik an der damaligen Klassengesellschaft übt.

Im italienischen Kunsttheater der Zeit des Barock, der Commedia dell’arte, das vom 16. bis ins 18. Jahrhundert währte, tritt der Narr unter dem Namen Arlecchino auf (späterhin in anderen Kulturräumen als Harlekin bekannt), einer Figur, die durch ihren ständigen Bewegungs-, Sprech- und Fressdrang sowie durch ihre sexuellen Gelüste eine burleske Seite der Komik präsentiert. Zu ihrer Erscheinung gehören ein farbiges Flickenkostüms, das auf den niederen gesellschaftlichen Stand seines Trägers hindeutet, eine dunkle Maske und eine Narrenpritsche; ein Schlagstock, dem sie sich bedient, um Radau zu stiften. Diese Form des Narren kann, trotz ihrer eher naiven und unbedachten Erscheinung, zeitweise auch kalkulierte Handlungen ausführen. Außerdem tritt sie vereinzelt als Personifizierung dichotomer Gegensätze auf, wie beispielsweise von Komik und Tragik oder von Gut und Böse. Sie kann aber auch als Schaubild des Ausbalancierens moralischer Vorsätze dienen.

Im deutschen Kulturraum trat zu einer ähnlichen Zeit eine Version des Narren unter dem Namen Hanswurst auf die Bühne und zeichnete sich in erster Linie durch die Zurschaustellung körperlicher und sprachlicher Obszönitäten aus. Es wird ersichtlich, dass die in der Unterhaltungskultur gezeigten Narren, vor allem jene des Theaters, primär physische Darsteller sind, die durch das Akzentuieren ihrer Mimik und Gestik komische Effekte provozieren.

Auch heute noch strotzt der Narr in seiner darstellerischen Form von prägender Aktualität: zur Fastnacht gilt er als beliebtes Motiv für die Wahl eines Kostüms. Zudem erscheinen Umwandlungen des Narren in popkulturellen Künsten, wie beispielsweise die Figuren Joker und Harley Quinn in der Batman-Comic- und Filmreihe. Auch diese beiden Figuren stellen, durch das Verbreiten von Chaos, das gesellschaftliche Gefüge in eine instabile Lage und stellen auf diese Weise soziale Normen und moralische Vorsätze infrage.

Jenseits der darstellenden Künste fasst man im allgemeinen heutigen Sprachverständnis einen Narren als einen Menschen auf, der sich lächerlich benimmt, andere in die Irre führt und mit geringen intellektuellen Veranlagungen sowie animalischen Reizen assoziiert wird. Er gilt als jemand, der sich entgegen den gesellschaftlichen Normen verhält, ein schamloses und leichtsinniges Auftreten an den Tag legt und somit rasch bei seinem Umfeld in Verruf geraten kann. Auch wenn er unter diesen Gesichtspunkten der Menschengattung zugehörig ist und somit als lebendiges und beseeltes Wesen gilt, zeichnet sich der Narr durch mehrere Merkmale als jemand aus, der sich nicht nur von dieser Familie entfremdet, sondern lediglich als Spiegelung tiefgründiger menschlicher Seelenrückstände enttarnt werden kann – sehr ähnlich, wie es sich auch beim künstlichen Menschen verhält.

4. Der künstliche Mensch und der Narr als Konzepte

Inwiefern beide Geschöpfe, der künstliche Mensch und der Narr, sich durch ihr Handeln und mutmaßliches Denken als Apparate, bzw. Automaten Geltung verschaffen können, wird im folgenden Verlauf des Textes angeschnitten. Dabei ist es erwähnenswert, dass es sich gleichsam beim künstlichen Menschen sowie beim Narren in ihrer hier dargebotenen reinen Fassung um Konzepte handelt. Um den Narren als theoretisches Konzept darzulegen und ihn von seinen historischen und kulturellen Darstellungen, bis auf einige prägnante parallele Eigenschaften, zu differenzieren, wird er im folgenden Verlauf des Textes methodisch auf die Spitze getrieben und folglich als der absolute Narr bezeichnet.

Jedes der beiden Geschöpfe stellt ein Extrem der menschlichen Gattung dar. Der künstliche Mensch steht für das Extrem im Sinne völliger Abstinenz rein menschlicher Merkmale. Somit artet er aus und kann niemals als wirklicher Mensch gelten.
Gleichviel gilt das Gedankenexperiment des absoluten Narren als das andere Extrem, nämlich jenes der gänzlichen Verdrängung menschlicher Merkmale durch eine uneingeschränkte Zügellosigkeit und Unberechenbarkeit. Auch hier gibt es eine Ausartung, denn der absolute Narr verfügt nicht über die menschlichen und moralischen Gebote, die für ein sinnvolles gesellschaftliches Zusammenleben vonnöten sind.

5. Der absolute Narr

Ähnlich wie der künstliche Mensch, lässt auch der Narr genügend Anregungen zu, um sich als abstraktes Modell zum Erkunden tieferer Einsichten anzubieten. Wie bereits in dem oberen historischen Exkurs angedeutet wurde, kann auch über die naive und spaßhafte Fassade des Narren hinausgedacht werden.

Wenn wir einige der bis hierhin beschriebenen Eigenschaften des Narren bestärken, indem wir davon ausgehen, dass sich seine Handlungen ausschließlich auf gedankenlose Triebe zurückführen lassen, so wird erstmals das Automatische an ihm erkennbar; ich nenne dieses Wesen den absoluten Narren. Er ist unter den aufgeführten Betrachtungsweisen ein Mensch, dessen Aktionen an kein sofort erkennbares Ziel gebunden sind. Demnach kann niemand mit bestimmter Sicherheit behaupten, dass der absolute Narr über einen freien Willen hinsichtlich der Ausartung seiner Triebe und dem Befolgen von moralischen Werten verfügt. Gelenkt wird er ausschließlich von seinen Instinkten. Auf diese Weise werden zunächst seine Beweggründe für alle Außenstehenden verwischt. Es entsteht eine erhebliche Unklarheit darüber, ob der Narr durch seine Taten überhaupt noch als zurechnungsfähige Person identifiziert werden kann (denn schließlich ist er ja im Verständnis seiner Beobachter immer noch ein Mensch) oder ob er als völlig willkürlicher Körper handelt, sozusagen als proaktiver Automat ohne Vorprogrammierung.

Bild – Narrenapparatus Numero 202 - KI-Generiert
Sven Bloes – Narrenapparatus Numero 202. KI-Generiert.

Infolgedessen gilt selbst der absolute Narr als Sinnbild einer Blackbox, die keinen klaren Blick in ihre inneren Vorgänge zulässt und die Versuche einer deutlichen Festlegung ihres Wesens vereitelt. Der absolute Narr zeigt, dass er immer noch seine eigentümliche Narrenfreiheit besitzt, die an dieser Stelle weitergedacht werden kann: sie stellt eine Macht dar, die ihm eine gottähnliche Unantastbarkeit verleiht.

Der absolute Narr wird durch den Zuspruch jener Potenz zu einer Verkörperung der Dichotomie aller möglichen Dinge unserer erlebten Welt und somit zu einer nicht-fassbaren Entität, zu einer Idee, zu einem Avatar oder zu einem reinen Typus, dessen Körper keine feste, unveränderbare Form mehr hat – er wird zu einem metaphysischen Gefüge. Insofern entgleitet er jedem und allem; jeder Definition, jedem Verständnis, jeder moralischen Wahrheit, jeder vermeintlich objektiven Tatsache und letzten Endes auch dem Tod. Der absolute Narr überlebt den Tod, den Untergang, das Chaos und die Apokalypse, denn „[w]o alles zusammenbricht und andere scheitern, behauptet der Narr schelmisch seine Position.“ Wird der Narr umgebracht, so kann er nicht sterben, da er nie gewollt haben kann, zu leben, denn er besteht nur noch als metaphysischer Entwurf auf der gedanklichen Ebene. Nach dem Tod eines in physischer Form vorhandenen Narren, lebt er als Idee und als Charakterzug weiter, und zwar in ausnahmslos allen Menschen – denn in jedem Menschen steckt letztendlich ein Stück Narr.

Seiner chimärenhaften Disposition und seiner Undurchsichtigkeit wegen, ist der absolute Narr eine Fundgrube für Interpretationen; sein Beobachter fragt sich: handelt er aus dem Unbewussten heraus oder steckt doch ein tieferer Gedanke hinter seinen Taten? Ist er restlos dumm oder ist er ein Philosoph, der seine Erkenntnisse auf eine schleierhafte Weise manifestiert? Hat er das Leben bezwungen? Ist dies überhaupt möglich, geschweige denn erstrebenswert? Schließlich besteht, aufgrund seiner allgegenwärtigen Fluidität, die Eventualität, der absolute Narr sei allwissend, zugleich jedoch nichts zugebend.

Wegen seiner ambivalenten Art kann niemand mit Sicherheit bestimmen, welche Motive ein absoluter Narr verfolgt, ob er überhaupt welche besitzt oder ob er allein aus purer Lust und Spontanität agiert. Wenn wir strikt von der These des absoluten Narren ausgehen, skizzieren wir einen Menschen, der ausschließlich aus animalischen Trieben und Instinkten handelt und seinen eigenen Willen nicht offensichtlich nach Überlegungen, Überzeugungen, Werten und Idealen richtet. Sein Unterbewusstsein tritt an die Stelle seines Bewusstseins und das ungezügelte Es regiert sein Handeln.
Dennoch kann er ein Beobachter des gesellschaftlichen Geistes sein und mit seinem Wirken Kritik üben. Dies fasst Bartl passend zusammen: „Im Maskenspiel des Narren enthüllt sich eine kritisierte soziale Praktik. Es macht unsichtbare Zusammenhänge sichtbar und weist auf den Wiedersinn scheinbar sinnvollen sozialen Handelns hin.“

Der absolute Narr ist undurchsichtig, unberechenbar und seine Intentionen sind nicht unverzüglich identifizierbar. Als Konsequenz kann er entweder völlig nicht-manipulierbar oder ganz willkürlich manipulierbar sein, möglicherweise ist er selbst sogar der Manipulierende. Dadurch, dass es wiederum für sein Umfeld und gegebenenfalls auch ihn selbst unklar ist, ob er sich seiner selbst und seinen Einflüssen bewusst ist, nimmt er diesem Umfeld die Fähigkeit der Einschätzung vorweg; er zieht seine Beobachter mit in sein eigenes Spiel hinein und raubt ihnen ihr Bewusstsein. Letztendlich zerfallen seine menschlichen Züge – dieser Mensch, der Narr, ist ein ganz besonderer Automat.

6. Kongruenzen und Divergenzen zwischen den beiden Automaten

Es ist sinnvoll, die beiden Konzepte, den künstlichen Menschen und den absoluten Narren, miteinander zu vergleichen, um bei aller initial erblickter Zusammenhanglosigkeit zwischen ihnen dennoch aufzuweisen, dass sie beide zu derselben Familie, nämlich jener der Automaten, gezählt werden können. Hierbei werden einerseits Parallelen, andererseits auch Unterschiede ersichtlich.

Nach den Erkundungen der beiden vorliegenden Konzepte, wirkt es einschlägig, dass der künstliche Mensch per se als Automat und der absolute Narr als Mensch mit einer überprominenten Libido gehandhabt werden kann. Die Taten des Letzteren können dennoch als automatisch wahrgenommen werden, da sie nicht mehr das Resultat bewusster Entscheidungen und Motive sind, sondern einzig als Phänomen des körperlichen Überlebensinstinktes von der Natur eingeleitet werden. Beide Entitäten weichen jenen Dingen aus, denen der herkömmliche Mensch deutlich unterliegt, wie beispielsweise der Auseinandersetzung mit den Vorurteilen der Außenwelt oder mit dem Tod als fatalistisches Lebendsende des Individuums. Mitunter besitzen beide die Macht der geistigen Leere. Nach dieser Macht strebt der ursprüngliche Mensch zeitweise, auch wenn ihm dies zumeist nicht in direkter Weise bewusst ist.

Außerdem ist es wahr, dass der künstliche Mensch sowie der absolute Narr eine gewisse Unantastbarkeit für sich beanspruchen. Dem künstlichen Menschen ermöglicht dies seine inhärente materielle Inhaltslosigkeit, die sich potenziell mit scheinbar endlosen Ideen auffüllen lässt. Der absolute Narre hingegen hat seine Unantastbarkeit und Immunität der Narrenfreiheit zu verdanken.

Wir gehen davon aus, dass der künstliche Mensch per Definition selbsttätig wirkt, sobald er mit den nötigen Informationen und Voraussetzungen von seinem Ersteller genährt wird. Die beiden Stichworte „Denken“ und „Wollen“, die uns die Begrifflichkeit des Automaten per etymologischer Exegese vermittelte, basieren auf den Vorstellungen des organischen Menschen, der seinem künstlichen Ebenbild solche Eigenschaften erlaubt oder verbietet. Dies bedeutet, dass lediglich der Ersteller dieses Automaten selbst entscheidet, ob letzterer mit menschlichen Elementen aufbereitet wird und auch, ob dies auf eine rein physische oder auf eine kognitiv-projizierende geschieht.

Beim Narren hingegen stellt das autonome Handeln ein wesentlicher Teil seiner Gesamterscheinung dar: Als Meister der gestischen und verbalen Komik, die vor allem in seiner dramaturgischen Form zum Vorschein kommt, strotzt er vor körperlicher Beweglichkeit und scheinbar endlosen Redeflüssen. Hierdurch kann er keiner gesellschaftlich-normativen Trägheit nachgeben. Außerdem bedarf er keiner Eingriffe durch fremde Menschenhände- oder Gedanken, um selbstständig zu handeln.

7. Fazit

Ich hoffe, in diesem Exkurs meine Ideen und Empfindungen bezüglich des künstlichen Menschen und des absoluten Narren im Sinne ihrer Automatenhaftigkeit etwas verdeutlicht zu haben. Dennoch hat das Thema ein viel größeres Potenzial, wie beispielsweise die Erkundung des Konzeptes des absoluten Narren offenbart. Der vorliegende Text kann sehr wohl als Anstoß für vertiefende Ideen gedacht werden, die in einem umfangreicheren Format Einklang finden können.

Quellen:
– Ränsch-Trill, Barbara: Harlekin. Zur Ästhetik der lachenden Vernunft. In: Philosophische Texte und Studien. Band 34. Georg Olms Verlag. Hildesheim, Zürich und New York 1993.
– Bartl, Andrea: Leben auf der Grenze: Wer ist Harlekin? In: Die deutsche Komödie. Metamorphosen des Harlekin. Reclam. 2015.
– Promies, Wolfgang: Der Bürger und der Narr oder das Risiko der Phantasie. Sechs Kapitel über das Irrationale in der Literatur des Rationalismus. Fischer. 1987.
– Bild 1: Sven Bloes – Spiel bei Kerzenschein. KI-generiert.
– Bild 2: Sven Bloes – Narrenapparatus Numero 202. KI-generiert.

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